Themenstrang: »Gesellschaft«

Referent_in: Christina Kaindl

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Wie der Aufstieg der extremen Rechten mit neoliberalem Kapitalismus zusammenhängt

Lange haben psychologische Theorien bei der Erklärung von rechten Einstellungen, Denkweisen und Politik den Blick nur auf die Einzelnen gerichtet, ihre Kindheit, ihre Erziehung. Viele Studien zeigen, dass der Aufstieg der Rechten und ihrer „Welterklärung“ mit dem Umbau der Arbeitswelt, des Sozialstaates, des Öffentlichen zusammenhängt. Abstiegsängste und das Gefühl, nicht zu bekommen, was einem zusteht, sind ein Nährboden für rechte Ideologien. Wir diskutieren einen kritisch-psychologischen Zugang zu diesen Fragen.

Themenstrang: »Einführung«

Referent_in: Christina Kaindl

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 13:00–15:00 Uhr

Emotionen im Kapitalismus

In der traditionellen Psychologie wurden Emotionen oft als Störfaktoren betrachtet, auch im Alltagsverständnis wurden sie lange als das Gegenteil von »Vernunft« gesehen. Heute werden Emotionen vielfach als Ressource für engagiertes Arbeiten und gute Verkaufsstrategien betrachtet. Sie sollen »fit« für Arbeit, Kreativität und Konkurrenz machen. Gleichzeitig nehmen Burnout, Erschöpfung und Depression zu. Wir wollen im Workshop untersuchen, was sich in der (neoliberalen) Gesellschaft verändert und wie sich auch das Verständnis von Emotionen gewandelt hat. Und wir wollen das Verständnis der Kritischen Psychologie nachvollziehen, in dem Emotionen als »erkenntnis- und handlungsleitend« verstanden werden. Angelehnt an die Unterscheidung von restriktiver und verallgemeinerter Handlungsfähigkeit wird auch Emotionalität gefasst. Sie können dem Einrichten in fremdgesetzten Verhältnissen angepasst werden oder über diese hinausweisen.

Themenstrang: »Forschung«

Referent_in: Katrin Reimer-Gordinskaya

Tag/Zeit: Freitag, 14.9.2018, 13:00–15:00 Uhr

Was will, was kann, was soll eine Zeitschrift für Kritische Psychologie heute?

40 Jahre nach der Gründung des Forum Kritische Psychologie (FKP) übernimmt eine jüngere Generation die Fortführung der Zeitschrift als FKP-Neue Folge. Wir – die neue Redaktion – tun das unter ganz anderen Bedingungen als ,damals‘ und so wird auch die Funktion dieser Zeitschrift sich wandeln (müssen). In diesem Workshop möchten wir vorstellen, welche Ideen und Ziele wir haben. Und wir möchten in Erfahrung bringen, was ihr euch von dieser Zeitschrift erhofft. ,Ihr‘ könnt Studierende, Lehrende, Praktiker_innen und politisch Interessierte sein, die mit Kritischer Psychologie in Berührung stehen, sie studieren, lehren, mit ihr arbeiten (wollen). Wir hoffen auf rege Beteiligung, damit das Forum lebendig wird.

Themenstrang: »Forschung«

Referent_in: Grete Erckmann

Tag/Zeit: Samstag, 15.9.2018, 10:00–12:00 Uhr

Individuelle Lebensgeschichten, kollektive Dimensionen von Erfahrung und gesellschaftliche Realität

Autobiographische Äußerungen sind ein selbstverständlicher Bestandteil des alltäglichen menschlichen Zusammenlebens. In Alltagsgesprächen zwischen Menschen werden Erlebnisse und Erfahrungen geteilt, beim Kennenlernen oder Wiedersehen erzählen Menschen sich Geschichten aus ihrem Leben, nehmen so Anteil am Leben anderer, holen sich und geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen. Ende des 19.Jahrhunderts erleichterte vor allem die Erfindung und stetige Weiterentwicklung von Tonaufzeichnungsgeräten den Einzug von autobiographischen Äußerungen auch in den wissenschaftlichen Kontext. Vor allem mit Hilfe von aufgezeichneten und transkribierten narrativ-biographischen Interviews war es nun möglich, die
unterschiedlichsten sozialen Gruppen mit ihren konkreten Lebensverhältnissen und mit ihrer kollektiven Geschichte zu Wort kommen zu lassen. Das transkribierte Wort konnte systematisch analysiert und interpretiert werden. Weiterlesen »

Themenstrang: »Praxis«

Referent_in: Marcus Beisswanger

Tag/Zeit: Dienstag, 11.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Zum Verhältnis von sozialer Ausschließung, Handlungsfähigkeit und instrumenteller Akzeptanz im Drogenhilfesystem

Die akzeptierende Drogenhilfe als interdisziplinäres Arbeitsfeld will ihrem Selbstverständnis nach auf eine gesellschaftliche Reintegration ihrer Adressat_innen hinwirken. Allerdings lässt sich sowohl empirisch als auch anhand von gesellschaftswissenschaftlichen Theorien zeigen, dass stattdessen die soziale Ausschließung von Drogenkonsument_innen mitunter durch die professionellen Akteure reproduziert wird. Vor diesem Hintergrund sprechen Schmidt-Semisch und Wehrheim von einer »exkludierenden Toleranz«: Die Akzeptanz wird instrumentell gewendet, um prekarisierte Personengruppen zu verwalten, deren Arbeitskraft ökonomisch nicht verwertbar erscheint. Die gesellschaftliche Ausschließung und Stigmatisierung lässt sich in diesem Zusammenhang als Einschränkung der subjektiven Handlungsfähigkeit begreifen, die auf der individuellen Ebene zur psychischen Beschädigung führen kann. Weiterlesen »

Themenstrang: »Einführung«

Referent_innen: Till Manderbach, Thomas Dohmen

Tag/Zeit: Samstag, 15.9.2018, 10:00–12:00 Uhr

Einführung in ein Grundkonzept der Kritischen Psychologie

Wenn wir ein Problem bewältigen bzw. ein Ziel realisieren wollen (z.B. erfolgreich einen Unikurs absolvieren, eine Fremdsprache lernen, mehr Freizeit haben), dann steht dieses Problem nicht isoliert für sich allein. Es muss mit anderen Aspekten der eigenen Lebensführung (z.B. Haushalt führen, Miete zahlen können, Pause machen) koordiniert werden.

Durch die Einbettung einzelner Probleme in die Alltagsbewältigung muss die Problembewältigung im Arrangement mit den Anforderungen anderer gesellschaftlicher Lebensbereiche und Personen erfolgen. Eine Situation ist daher als »Scene alltäglicher Lebensführung« zu begreifen. Die alltägliche Lebensführung ist nach Klaus Holzkamp die »konkreteste Form, in der Subjekte ihr Leben strukturieren«. Sie ist die aktive Herstellung von »Tagtäglichkeit«, die als individuelle Handlungsbasis dient. Der Alltag ist von Routinen geprägt, die wie selbstverständlich ohne große Überlegungen vollzogen werden – in scheinbar zeitloser Wiederholung eines Handlungskreislaufes. Damit verbunden sind zum einen eine spezifisch verkürzte Sicht auf die Welt und zum anderen die Vorstellung vom »eigentlichen Leben«, das mehr als der bloße Alltag sein soll.

In unserem einführenden Vortrag skizzieren wir, wie alltägliche Lebensführung in der Kritischen Psychologie begrifflich erschlossen wurde und wie kritisch-psychologisch damit gearbeitet werden kann.

Themenstrang: »Praxis«

Referent_in: Christian Küpper

Tag/Zeit: Freitag, 14.9.2018, 13:00–15:00 Uhr

Die (sozial-)psychiatrische Ordnung, gesellschaftliche Herrschaft und die Spuren des Wahnsinns

Kritische Einwürfe gegen (sozial-)psychiatrische Zustände nehmen neben den zum Teil offen gewaltförmig organisierten Behandlungsformen nicht selten den vermeintlichen Schubladencharakter psychiatrischer Diagnosen zum Ausgangspunkt weiterer Überlegungen. Mithin geraten auch die Normalitätsanforderungen und Stigmatisierungen, mit denen die Diagnostizierten konfrontiert werden, in den Blick. Folgen wir nun den Spuren des Wahnsinns, lauert hinter der Infragestellung seiner »Verarztung« (Foucault) die Gefahr, über die Fallstricke simplifizierender Etikettierungs- oder Randgruppentheorien zu stolpern. Was also tun? Schließlich stehen wir vor der Herausforderung, Menschen, die im hier und jetzt leiden, Angst haben, Schmerzen verspüren, verunsichert sind, Unterstützung, Begleitung und Zuwendung suchen, Alternativen anzubieten. Weiterlesen »

Themenstrang: »Einführung«

Referent_in: Fiona Kalkstein

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Wer sich intensiver mit Holzkamps »Grundlegung der Psychologie« auseinandersetzt, stellt fest, dass evolutionär zwei Funktionskreise rekonstruiert werden – jenen der Lebenssicherung und jenen der Fortpflanzung. Holzkamp geht davon aus, dass Menschen nur im Bereich Lebenssicherung (auf gesellschaftlichem Niveau entspricht dies der Produktionsweise) volle Handlungsfähigkeit erlangen können, während Fortpflanzung/Sexualität lediglich ‚gesellschaftlich überformt‘ und ‚unspezifisch bio-sozial‘ bleibt. Dass der Funktionskreis Fortpflanzung/Sexualität in der heutigen Gesellschaft lediglich gesellschaftlich überformt, jedoch nicht vollständig gesellschaftlich durchdrungen ist, soll kritisch diskutiert werden. Gesellschaftlichkeit von Sexualität kann nicht losgelöst von technisch-medizinischem Fortschritt, gesellschaftlicher Organisation von Reproduktionsarbeit, Ideologien und Bedeutungsstrukturen gefasst werden. Weiterlesen »

Themenstrang: »Gesellschaft«

Referent_in: Can Önalan

Tag/Zeit: Freitag, 14.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

In Western psychology, autonomy is very often seen as in contradiction with relatedness, due to the ideology of individualism. In cross-cultural psychology, some asserted that the very nature of a so-called collectivistic culture suppresses personal autonomy whereas individualistic culture espouses and supports autonomy. Kagitcibasi offered a new model having interpersonal distance and agency as seperate dimensions, contrary to the idea that interdependencies, close bonds and connectedness hamper agentic and volitional actions. Autonomy and relatedness are two skills that satisfy human’s needs and their incompatibility is superficial. Drawing from this formulation, I will deconstruct the world-view behind individualism and discuss how we should address these needs within socioeconomic and cultural context.

Themenstrang: »Einführung«

Referent_in: Janek Niggemann

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 10:00–12:00 Uhr

Die Erziehungskritik der Kritischen Psychologie

Erziehung selbst ist eine problematische Angelegenheit. Viele Menschen sind in unterschiedlicher Art und Weise mit ihr beschäftigt, von ihr betroffen oder auch durch sie zu dem geworden, was sie sind. Der Staat hat Interessen an ihren Formen, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und Eltern an ihrer Wirksamkeit und Kinder oft daran, wie man ihre Schlupflöcher finden und nutzen kann. In Erziehung werden Erziehungsziele für andere gesetzt und beansprucht, die Erzogenen dorthin zu führen. Die Ziele sind nicht neutral, sondern eine komplexe Mischung aus Vorstellungen der Erziehenden und gesellschaftlichen Anforderungen – Mittel und Wege, sie zu realisieren, wechseln häufig zwischen Bestechung und Nötigung. Erziehung ist leider nicht das herrschaftsfreie Miteinander, sondern oft das machtvolle Gegeneinander, in dem sich die bürgerliche Gesellschaft reproduziert. Sie ist darin widersprüchlich, denn Erzogene lernen viele nützliche und aufregende Dinge in und durch Erziehung. Zugleich werden sie dazu gebracht, sich anzupassen und einzufügen.

Im Workshop werden wir versuchen, Erziehung zu verstehen, ihre Widersprüche nachzuvollziehen und die kritisch-psychologische Kritik an ihrer Form darzustellen. Nach einem kurzen Input wird es Zeit und Platz für Fragen und Diskussionen geben.

Ferienuni Kritische Psychologie 2018 using Theme Adventure by Eric Schwarz adapted by Stefan Meretz
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