Die Vorbereitung der Ferienuni Kritische Psychologie unter dem Motto »Ask them why« vom 11. bis 15. September an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin läuft auf vollen Touren. Bis zur kompletten Veröffentlichung des Programms dauert es noch ein wenig, aber die Anmeldung ist nun geöffnet:

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The preparation process for the Critical Psychology Summer School according to the motto »Ask them why« from 11th to 15th of September at Alice-Salomon-Hochschule is at full blast. It takes some time for the complete release of the program, but Sign-Up ist now open:

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Themenstrang: »Forschung«

Referent_in: Grete Erckmann

Tag/Zeit: Tag, Zeit offen

Individuelle Lebensgeschichten, kollektive Dimensionen von Erfahrung und gesellschaftliche Realität

Autobiographische Äußerungen sind ein selbstverständlicher Bestandteil des alltäglichen menschlichen Zusammenlebens. In Alltagsgesprächen zwischen Menschen werden Erlebnisse und Erfahrungen geteilt, beim Kennenlernen oder Wiedersehen erzählen Menschen sich Geschichten aus ihrem Leben, nehmen so Anteil am Leben anderer, holen sich und geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen. Ende des 19.Jahrhunderts erleichterte vor allem die Erfindung und stetige Weiterentwicklung von Tonaufzeichnungsgeräten den Einzug von autobiographischen Äußerungen auch in den wissenschaftlichen Kontext. Vor allem mit Hilfe von aufgezeichneten und transkribierten narrativ-biographischen Interviews war es nun möglich, die
unterschiedlichsten sozialen Gruppen mit ihren konkreten Lebensverhältnissen und mit ihrer kollektiven Geschichte zu Wort kommen zu lassen. Das transkribierte Wort konnte systematisch analysiert und interpretiert werden. Weiterlesen »

Themenstrang: »Praxis«

Referent_in: Marcus Beisswanger

Tag/Zeit: Dienstag, 11.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Zum Verhältnis von sozialer Ausschließung, Handlungsfähigkeit und instrumenteller Akzeptanz im Drogenhilfesystem

Die akzeptierende Drogenhilfe als interdisziplinäres Arbeitsfeld will ihrem Selbstverständnis nach auf eine gesellschaftliche Reintegration ihrer Adressat_innen hinwirken. Allerdings lässt sich sowohl empirisch als auch anhand von gesellschaftswissenschaftlichen Theorien zeigen, dass stattdessen die soziale Ausschließung von Drogenkonsument_innen mitunter durch die professionellen Akteure reproduziert wird. Vor diesem Hintergrund sprechen Schmidt-Semisch und Wehrheim von einer »exkludierenden Toleranz«: Die Akzeptanz wird instrumentell gewendet, um prekarisierte Personengruppen zu verwalten, deren Arbeitskraft ökonomisch nicht verwertbar erscheint. Die gesellschaftliche Ausschließung und Stigmatisierung lässt sich in diesem Zusammenhang als Einschränkung der subjektiven Handlungsfähigkeit begreifen, die auf der individuellen Ebene zur psychischen Beschädigung führen kann. Weiterlesen »

Themenstrang: »Einführung«

Referent_innen: Till Manderbach, Thomas Dohmen

Tag/Zeit: Samstag, 15.9.2018, 10:00–12:00 Uhr

Einführung in ein Grundkonzept der Kritischen Psychologie

Wenn wir ein Problem bewältigen bzw. ein Ziel realisieren wollen (z.B. erfolgreich einen Unikurs absolvieren, eine Fremdsprache lernen, mehr Freizeit haben), dann steht dieses Problem nicht isoliert für sich allein. Es muss mit anderen Aspekten der eigenen Lebensführung (z.B. Haushalt führen, Miete zahlen können, Pause machen) koordiniert werden.

Durch die Einbettung einzelner Probleme in die Alltagsbewältigung muss die Problembewältigung im Arrangement mit den Anforderungen anderer gesellschaftlicher Lebensbereiche und Personen erfolgen. Eine Situation ist daher als »Scene alltäglicher Lebensführung« zu begreifen. Die alltägliche Lebensführung ist nach Klaus Holzkamp die »konkreteste Form, in der Subjekte ihr Leben strukturieren«. Sie ist die aktive Herstellung von »Tagtäglichkeit«, die als individuelle Handlungsbasis dient. Der Alltag ist von Routinen geprägt, die wie selbstverständlich ohne große Überlegungen vollzogen werden – in scheinbar zeitloser Wiederholung eines Handlungskreislaufes. Damit verbunden sind zum einen eine spezifisch verkürzte Sicht auf die Welt und zum anderen die Vorstellung vom »eigentlichen Leben«, das mehr als der bloße Alltag sein soll.

In unserem einführenden Vortrag skizzieren wir, wie alltägliche Lebensführung in der Kritischen Psychologie begrifflich erschlossen wurde und wie kritisch-psychologisch damit gearbeitet werden kann.

Themenstrang: »Gesellschaft«

Referent_in: Christian Küpper

Tag/Zeit: Freitag, 14.9.2018, 13:00–15:00 Uhr

Die (sozial-)psychiatrische Ordnung, gesellschaftliche Herrschaft und die Spuren des Wahnsinns

(folgt)

Themenstrang: »Einführung«

Referent_in: Fiona Kalkstein

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Wer sich intensiver mit Holzkamps »Grundlegung der Psychologie« auseinandersetzt, stellt fest, dass evolutionär zwei Funktionskreise rekonstruiert werden – jenen der Lebenssicherung und jenen der Fortpflanzung. Holzkamp geht davon aus, dass Menschen nur im Bereich Lebenssicherung (auf gesellschaftlichem Niveau entspricht dies der Produktionsweise) volle Handlungsfähigkeit erlangen können, während Fortpflanzung/Sexualität lediglich ‚gesellschaftlich überformt‘ und ‚unspezifisch bio-sozial‘ bleibt. Dass der Funktionskreis Fortpflanzung/Sexualität in der heutigen Gesellschaft lediglich gesellschaftlich überformt, jedoch nicht vollständig gesellschaftlich durchdrungen ist, soll kritisch diskutiert werden. Gesellschaftlichkeit von Sexualität kann nicht losgelöst von technisch-medizinischem Fortschritt, gesellschaftlicher Organisation von Reproduktionsarbeit, Ideologien und Bedeutungsstrukturen gefasst werden. Weiterlesen »

Themenstrang: »Gesellschaft«

Referent_in: Can Önalan

Tag/Zeit: Freitag, 14.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

In Western psychology, autonomy is very often seen as in contradiction with relatedness, due to the ideology of individualism. In cross-cultural psychology, some asserted that the very nature of a so-called collectivistic culture suppresses personal autonomy whereas individualistic culture espouses and supports autonomy. Kagitcibasi offered a new model having interpersonal distance and agency as seperate dimensions, contrary to the idea that interdependencies, close bonds and connectedness hamper agentic and volitional actions. Autonomy and relatedness are two skills that satisfy human’s needs and their incompatibility is superficial. Drawing from this formulation, I will deconstruct the world-view behind individualism and discuss how we should address these needs within socioeconomic and cultural context.

Themenstrang: »Einführung«

Referent_in: Janek Niggemann

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 10:00–12:00 Uhr

Die Erziehungskritik der Kritischen Psychologie

Erziehung selbst ist eine problematische Angelegenheit. Viele Menschen sind in unterschiedlicher Art und Weise mit ihr beschäftigt, von ihr betroffen oder auch durch sie zu dem geworden, was sie sind. Der Staat hat Interessen an ihren Formen, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und Eltern an ihrer Wirksamkeit und Kinder oft daran, wie man ihre Schlupflöcher finden und nutzen kann. In Erziehung werden Erziehungsziele für andere gesetzt und beansprucht, die Erzogenen dorthin zu führen. Die Ziele sind nicht neutral, sondern eine komplexe Mischung aus Vorstellungen der Erziehenden und gesellschaftlichen Anforderungen – Mittel und Wege, sie zu realisieren, wechseln häufig zwischen Bestechung und Nötigung. Erziehung ist leider nicht das herrschaftsfreie Miteinander, sondern oft das machtvolle Gegeneinander, in dem sich die bürgerliche Gesellschaft reproduziert. Sie ist darin widersprüchlich, denn Erzogene lernen viele nützliche und aufregende Dinge in und durch Erziehung. Zugleich werden sie dazu gebracht, sich anzupassen und einzufügen.

Im Workshop werden wir versuchen, Erziehung zu verstehen, ihre Widersprüche nachzuvollziehen und die kritisch-psychologische Kritik an ihrer Form darzustellen. Nach einem kurzen Input wird es Zeit und Platz für Fragen und Diskussionen geben.

Themenstrang: »Praxis«

Referent_in: Jarg Bergold

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Das Projekt »Psychosoziale Beratung«

Einige Projekte der heutigen Berliner psychosozialen Versorgung gehen auf Initiativen zurück, die im Rahmen des Projektstudiums am Psychologischen Institut der FU (1969 – 1995) entwickelt wurden – unter anderem an der Abteilung für Klinische und Gemeindepsychologie, deren Projekt »Psychosoziale Beratung« (PSB) in Berlin-Wedding bis zur Einführung des Bachelor- und Master-Systems bestand. Im dem Bezirk wurde eine gemeindepsychologische psychosoziale Versorgung aufgebaut. Gemeinsam mit Studierenden wurde die Lage analysiert, mit bestehenden Einrichtungen kooperiert und eigene Projekte initiiert. Der Anspruch bestand darin, eine gesellschaftsverändernde Praxis zu entwickeln, die vor allem Angehörigen der »Unterschicht« Entwicklungsmöglichkeiten bieten und die individualistische Psychologie überwinden sollte. Um sich in die Strukturen vor Ort einbringen zu können, waren dabei auch Kompromisse einzugehen. In der Veranstaltung nehmen wir uns die Zeit, das PSB-Projekt aus heutiger Sicht kennenzulernen und nützliche Erfahrungen zu diskutieren.

Themenstrang: »Einführung«

Referent_in: Josef Held

Tag/Zeit: Mittwoch, 12.9.2018, 15:30–17:30 Uhr

Ausgangspunkt ist die These, dass jede(r), ob ForscherIn, PraktikerIn oder Jugendliche(r) ein bestimmtes Bild vom Menschen hat und dass dieses die alltägliche Praxis mitbestimmt. In bestimmten Situationen wird diese Vorstellung davon, was den Menschen ausmacht, besonders aktualisiert und begründet das Handeln, in anderen tritt es zurück. Klaus Holzkamp hat das implizite Menschenbild der experimentellen Psychologie scharf kritisiert und in seiner Grundlegung der Psychologie die Besonderheit der menschlichen Natur herausgearbeitet. In meinem Vortrag werden die einzelnen Komponenten davon dargestellt und der Bezug zum Marxismus hergestellt.

Themenstrang: »Einführung«

Referent_innen: Daniel Schnur, Stephan Trautner

Tag/Zeit: Samstag, 15.9.2018, 10:00–12:00 Uhr

Durch eine Städte-übergreifende Kooperation verschiedener kritisch-psychologischer Initiativen werden Veranstaltungen wie die Ferienuni überhaupt erst möglich. Projekte wie diese sollen dazu beitragen die Kritische Psychologie bekannter zu machen und den hegemonialen Mainstream-Diskurs in der Psychologie radikal in Frage stellen. Um Psychologie nicht als Herrschaftswissenschaft zu betreiben, sondern ihr emanzipatorisches Potential zur Geltung zu bringen, wollten wir eine weitere Vernetzung von Initiativen und Studierender erreichen. Genau dafür möchten wir den Rahmen der Ferienuni auch nutzen und uns über Erfahrungen, aktuelle und künftige Projekte austauschen. Wir könnten uns vorstellen weitere Projekte und zukünftige Treffen miteinander auf den Weg zu bringen bzw. zu diskutieren welche Art der dauerhaften Vernetzung bzw. Kooperation durchführbar sind.

Auch Menschen mit losen Überlegungen zur Gründung entsprechender Initiativen sind herzlich willkommen!

Ferienuni Kritische Psychologie 2018 using Theme Adventure by Eric Schwarz adapted by Stefan Meretz
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